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Die Handschrift von Saragossa In formaler Anlehnung an Tausendundeine Nacht und Bocaccios Decamerone hat Jan Graf Potocki seinen Roman in die Erz hlungen vonTagen unterteilt, in denen der junge Hauptmann van Worden die Sierra Morena berquert, um in Madrid seinen Dienst anzutreten Auf diesem Weg wird er nicht blo in schaurige Abenteuer verwickelt, sondern auch in die Erz hlung von anderen Die Rahmenhandlung bildet das Ger st f r eine faszinierende Erz hlkonstruktion ineinander verschachtelter Geschichten Potockis grandioser Roman sprengt ideen und geistesgeschichtlich jeden Rahmen Da unsere Spanienreise bevorstand mit Wanderung in der Sierra Nevada war ich neugierig gewesen.Die Geschichte liest sich wirklich spannend. Der Inhalt ist ph nomenal Wer immer in sich verschachtelte Geschichten und Erz hlungen liebt und nichts gegen Geschw tzigkeit hat wird das Buch ebenfalls m gen Ein Stern Abzug f r die Kindle Version, da die Anmerkungen nicht verlinkt sind Das ist schade und ist rgerlich, da dies wirklich nicht schwierig zu implementieren ist Die Geschichte dieses Romans ist verworren, wie die Zeit in der er entstand und fast h re ich mich sagen konnte das denn anders sein Die Entstehung des Werkes f llt in die Jahre 1803 bis zum Tod des Autors im Jahr 1815 Bereits 1805 erscheint der Romanbeginn als Privatdruck in Sankt Petersburg Russland Eine deutsche bersetzung dieses Teils unter dem Titel Abentheuer in der Sierra Morena erschien 1809 in Leipzig 1813 erschien eine Fortsetzung des St Petersburger Teils in Paris unter dem Titel Avadoro Histoire espagnole Das vom Autor zur Ver ffentlichung nach Paris geschickte vollst ndige Manuskript blieb, trotz intensiver Nachforschung von Alexander Puschkin, der eine russische bersetzung plante, unauffindbar.Erst 1847 erschien eine erste vollst ndige Version in Polen, wobei der bersetzer mehr nacherz hlte als zu bersetzten und schlussendlich das franz sische Original aus dem Potocki Privat Archiv nach vollbrachter Tat vernichtete Erst Mitte des 20 Jahrhunderts konnte das franz sische Originalmanuskript fast vollst ndig rekonstruiert und wiederentdeckt werden Anfang der 1990er Jahre wurde der Text neu und modern bersetzt und auf dieser Fassung basiert die Neuedition des verdienstvollen Schweizer Verlags Haffmans aus dem Jahre 2000 auf dieser mit sieben wundervollen Illustrationen von Almut Gernhardt ausgestatteten Version beruht diese Besprechung.Eigentlich sollte nun eine mehr oder weniger ausf hrlich Vorstellung des Autor folgen, da meiner Ansicht nach ein Werk nur vollst ndig verst ndlich wird, wenn man es mit dem Verfasser zusammen betrachtet In diesem Fall m chte ich nur ein paar wenige Grunddaten aufschreiben, da in der von mir beschrieben Fassung in einem umfangreichen Anhang auf das Leben des Jan Graf Potocki JGP eingegangen wird JGP wurde am 8 M rz 1761 in Pikow bei Winniza in Podolien s dwestliche Ukraine nord stliches Moldawien geboren, Schulbildung in der Schweiz Lausanne und Genf , milit rische Laufbahn im sterreichischen Heer, Studienreisen und Kontakt mit den Ideen der Franz sischen Revolution, Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften Er war ein gebildeter Europ er und den Werten der Aufkl rung und des Rationalismus lebenslang verbunden, weswegen r tselhaft bleiben muss, warum er sich am 11 Dezember 1815 selbst t tete.Um diesen Selbstmord rankt sich etwas Mythisches oder vielleicht auch Mystisches je nachdem was man glauben mag Jedenfalls rankt sich das f rderhin um eben dieses eine Werk aus seiner Feder 1812 hatte sich JGP aus dem ffentlichen Leben zur ckgezogen und der von der sog Gesellschaft gemiedene Freigeist, lebte auf seinem Landgut Uladowka bei Berditschew in Podolien Im Herbst 1815 so berichten es die Quellen soll er vom Deckel einer silbernen Zuckerdose andere sprechen von einem Samowar eine ebenfalls silberne Kugel abgebrochen und seinem Hauspfarrer gebeten haben sie zu segnen Er lud eine Pistole damit und schoss sich in den Kopf.Ob es sich tats chlich so zutrug oder ob man von offizieller Seite ein Interesse daran hatte absichtlich mit der Analogie der Silbernen Kugel spielend ihn in die N he von Vampiren zu r cken, muss offen bleiben Jedenfalls kann ich auch angesichts der Pointe des hier vorgestellten Werkes nicht glauben, dass der Autor selbst an solcherlei Geschichten geglaubt h tte und sich demzufolge wohl aus anderen Gr nden erschoss Aber was ich glaube spielt keine Rolle und f r Menschen, die f r solche Geschichten anf llig sind, macht diese Silberne Kugel das Werk bestimmt spannender.Die Handlung Ein Offizier der franz sischen Armee, die 1809 Saragossa belagert, findet durch Zufall in einem verlassenen Haus beschriebene Hefte, die ihn neugierig machen, und die er deshalb an sich nimmt Es war eben jenes in Spanisch verfasste Manuskript, von dem im schon erw hnten Vorwort die Rede ist Bei der gefundenen Handschrift handelt es sich um ein tagebuchartiges Manuskript eines jungen Hauptmann namens Alfons van Worden, in dem er eine Reise beschreibt, die er von K nig Philipp V eben zum Hauptmann der Wallonischen Garde ernannt unternimmt, um in Madrid seinen Dienst anzutreten Von C diz kommend, erreichte er am 10 April 1739 die Sierra Morena.An der Quelle von Los Alcornoques verschwinden sein Diener L pez und sein F hrer Mosquito Furchtlos setzt er allein seinen Weg fort und bernachtet er in der verrufenen, l ngst aufgegebenen Gasthaus Venta Quemada Als um Mitternacht eine Uhr schl gt, die er vorher nicht geh rt hat, wundert er sich Gleich darauf erscheinen zwei bildsch ne junge Schwestern Emina und Zibelda, die T chter von Jas r Gom lez, eines Onkels des Herrschers von Tunis Sie offenbaren Alfons, der m tterlicherseits auch von den Gom lez abstammt, dass er ihr Cousin ist Nach einer wunderbaren Nacht mit seinen sch nen Cousinen erwacht Alfons unter dem Galgen von Los Hermanos, zwischen den Leichen von zwei abgenommenen Gehenkten, an denen sich ein Aasgeier zu schaffen macht.Die n chste Unterkunft findet Alfons in der Klause eines Eremiten Doch am dritten Tag wird er im Namen des K nigs und der Allerheiligsten Inquisition verhaftet und in ein Verlie gesperrt Gerade als die Folter beginnen soll und auch seine beiden ebenfalls gefangenen Cousinen hereingef hrt werden, befreit Zoto, ein weiterer Angeh riger der weit verzweigten Familie Gom lez, seine Verwandten In einem von einem Juden berbrachten Brief r t K nig Philipp V dem jungen, von der Inquisition verfolgten Hauptmann f rs Erste davon ab, Kastilien oder Andalusien zu betreten und gew hrt ihm drei Monate Urlaub F r diese Zeit findet er Zuflucht auf dem Schloss des Kabbalisten Rabbi Sadok Ben Mamun der in Spanien den Namen Don Pedro de Uceda tr gt Dessen Schwester Rebekka alias Laura Uceda versucht zwar herauszufinden, wer die beiden Frauen sind, mit denen Alfons nach Mitternacht im Gasthaus Venta Quemada gesehen wurde, aber er h lt das Versprechen, das Emina und Zibelda von ihm verlangt hatten und schweigt ber seine Cousinen, in die er sich l ngst verliebt hat Obwohl er sich zum Christentum bekennt, liebt er wie ein Muslim zwei Frauen gleichzeitig Sechsundsechzig Tage lang wird Alfons van Worden in der Sierra Morena aufgehalten Nicht nur Emina und Zibelda, Zoto, der Kabbalist und Rebekka berichten ihm von ihren Schicksalen, sondern auch der Zigeunerhauptmann Pandesowna und der Mathematiker Don Pedro Vel squez, und ber das Geschick einer Reihe anderer M nner und Frauen wird Alfons ebenfalls unterrichtet.In der Gruft von Kasr Gom lez zeigt ein Derwisch Alfons den Stammbaum der Gom lez W hrend der muslimische Hauptast pr chtig bl ht, sieht der christliche Hauptast welk und dornig aus Begr ndet wurde das Geschlecht von Mas d Ben T her, einem Bruder von J suf Ben T her, der zu Beginn des 8 Jahrhunderts an der Spitze der Araber von Nordafrika nach Spanien vorgedrungen war Mas d nahm den Titel eines Scheichs an und lie in den Bergen der Alpujarras eine feste Burg errichten Kasr Gom lez Unter den Kellergew lben entdeckte Mas d gewaltige Goldadern.Er verheimlichte seinen Fund, lie vor dem Eingang eine kleine Moschee errichten und t uschte immer wieder vor, wie ein Einsiedler in der Moschee zu beten, w hrend er in Wirklichkeit einen Teil des Goldes abbaute Schlie lich w hlte er sechs Familienoberh upter seines Stammes aus, lie sie einen Eid der Verschwiegenheit schw ren und enth llte ihnen dann das Geheimnis Im Lauf der Jahrhunderte kursierten Ger chte ber unermessliche Sch tze in der Burg Als Gonzalo de C rdoba nach dem Fall von Granada mit dreitausend Mann vor der Burg erschien, bergab ihm der damalige Scheich H tem Gom lez die Schl ssel der Burg aber die Spanier fanden nichts.W hrend die Christen die Mauren aus Spanien vertrieben, versteckten sich die f hrenden Mitglieder der Familie Gom lez in den Grotten unter ihrer zerst rten Stammburg Scheich Sef Gom lez wollte das Geheimnis dem Kaiser anvertrauen, aber bevor dessen Abgesandter eintraf, wurde Sef von Bill h Gom lez erdolcht Der lie das Geheimnis auf ein Pergament schreiben, dieses senkrecht zur Schrift in sechs Streifen zerschneiden und bergab jedem Familienoberhaupt einen davon Entsprechend der seit Jahrhunderten geltenden Gesetze darf das Geheimnis nach wie vor nur an Menschen vom Blut der Gom lez weitergegeben werden, und auch dann nur, wenn die Erw hlten durch zahlreiche Proben ihre Unbeugsamkeit und Rechtschaffenheit bewiesen haben.Nachdem die sechs Familienoberh upter einer Pestepidemie erlegen waren, fand der jetzige Gro scheich der Gom lez, der zweiundf nfzigste Nachfolger von Mas d Ben T her, bei den Leichen die sechs Pergamentstreifen, setzte sie zusammen und erfuhr so von dem gewaltigen Schatz, der ausreichen w rde, die Welt zu erobern Weil schlie lich in den afrikanischen Linien der Gom lez die Stammhalter ausblieben oder geistesschwach geboren wurden, begann man auch unter den christlichen Familienzweigen nach w rdigen Nachfolgern zu suchen Die Wahl fiel auf Alfons van Worden Meine Meinung JGP war f r seine Zeitgenossen das, wozu man heutzutage mit einem leichten Schmunzeln in den Augenwinkeln Universalgelehrter sagt Er war Politiker, Wissenschaftler, Reisender, Diplomat, Abenteurer, Geheimb ndler und wohlwollend formuliert ein Sonderling Nun, manche seiner Zeitgenossen hielten ihn auch einfach nur f r verr ckt inklusive seines schonerw hnten Selbstmords, ranken und rankten sich viele Legenden um ihn.All das und vieles mehr, nimmt in Die Handschrift von Saragossa eine sonderbare, ja wundersame Gestalt an Es f gt sich zu einem Buch, das mehrere B cher zugleich ist Es ist ein bezaubernd altmodischer Abenteuerroman erinnert an Alvaro Mutis Die Abenteuer und Irrfahrten des Gaviero Maqroll auch hier vorgestellt , ein Werk m rchenhaft verschachtelter Geschichten erinnert an die M rchen aus 1001 Nacht , zugleich ist der Roman eine Enzyklop die voller fast vergessener historischer Ereignisse und Anekdoten Obendrein finden wir essayistische Betrachtungen zu politischen, ethischen und theologischen Themen letztere durchaus mit aktuellen Bez gen Islam Die Rahmenerz hlung, die das Sammelsurium zusammenh lt, ist eben jene Reise nach Madrid, die der junge Alfonso van Worden unternimmt.Wer den Roman zum ersten Mal liest, kann sich gleich dem umherirrenden Alfonso in den verschachtelten Erz hlstr ngen verheddern, wird vom Autor auf falsche F hrten gesetzt und manchmal auch hinters Licht gef hrt In der Sierra Morena, dem Romanort, wird er Zeuge mysteri ser Ereignisse und trifft auf Vagabunden, maurische Weise, den Ewigen Juden, wirrk pfige Gelehrte, berlebensk nstler, fr he Mafiosi und zauberkr ftige Kabbalisten, die allesamt voller Geschichten stecken Alfons lauscht fasziniert und verliert sich in dem Labyrinth der Worte, bis er hinter all den Erz hlungen die Umrisse einer scheinbar gewaltigen Verschw rung erblickt, die mit seiner famili ren Herkunft verkn pft ist Der gr te Teil des Buches besteht aus Novellen, die in sechsundsechzig Kapiteln vom ersten bis zum letzten Tag der Reise angeordnet sind Meine Lieblingsgeschichte ist die des Gelehrten Diego Herv s Der hatte in einhundert B nden alles aufgezeichnet, was Menschen zu seiner Zeit wussten Doch der Leim der frisch gedruckten B cher zog Ratten an, und eh Diego sich versah, waren nur noch Reste der Seiten brig Acht Jahre arbeitete er daran, den Text neu zu schreiben und dann ben tigte er weitere vier Jahre, um sich die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaften anzueignen und diese einzuarbeiten Als dann ein Buchh ndler von ihm verlangte, die Reihe auf f nfundzwanzig B nde zu k rzen, nahm er wie Sokrates den Schierlingsbecher.Dem aufmerksamen Lesenden wird im Verlauf der Lekt re klar werden, dass es sich bei den vermeintlichen Gespenstergeschichten und bersinnlichen Ph nomenen, mit denen Alfonso van Worden konfrontiert wird, um ein ausgekl geltes Spiel zum Zweck seiner Pr fung handelt Es kommt JGP darauf an, im Geist der Aufkl rung zu zeigen, dass es keine berirdischen Erscheinungen gibt und auch die sog monotheistischen Offenbarungsreligionen nicht auf g ttliche Eingebungen, sondern auf ltere Traditionen zur ckzuf hren sind.Obwohl das Werk in sich die typische Diktion eines Werkes der Aufkl rung aufweist, in das der Autor Themen wie Hobbessche Staatsphilosophie, Religionskritik, materialistische Naturbetrachtung, Rationalismus, satirische Blo stellung des berkommenen aristokratischen Ehrbegriffs einpackt, machen doch die phantastischen phantasievollen Einf lle des Autors und sein eleganter Erz hlstil auch Lesefreude, wie man sie einem trockenen und n chternen Aufkl rer nie zugetraut h tte Die Handschrift von Saragossa ist f r Leserinnen und Leser jeden Alters, f r Erstleser und Wiederleser ein schieres Lesevergn gen

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